Donnerstag, 28. Juni 2012

Sind Siegerposen angeboren?

Dass Emotionen nach außen wollen ist nachvollziehbar - aber die Frage ist: Sind die nonverbalen Ausdrucksweisen von Sieg und Niederlage angeboren, erlernt oder beides?

Um diese Frage zu klären haben, Jessica Tracy und David Matsumoto Sportlerreaktionen bei den Olympischen Spielen und den Paralympics analysiert. Sie verglichen dabei sehende, von Geburt an Blinde und Späterblindete in ihren Reaktionen auf Sieg und Niederlage.
Interessanterweise spielte die Nationalität nur bei den Sehenden eine Rolle, nicht aber bei den Blinden. Während die Reaktionen im Falle eines Sieges in allen Fällen sehr ähnlich waren (Arme hochreißen, Brust rausdrücken, Kopf nach hinten werfen) gab es für den Fall einer Niederlage Unterschiede zwischen Europäern und Asiaten.
Das galt aber nur für die Sehenden. Während die Europäer und die Amerikaner (USA) eher dazu neigten ihre Schamgefühle (Kopf senken, sich klein machen, Schulter hängen lassen)  zu unterdrücken zeigten die asiatischen Teilnehmer diese Reaktionen recht stark.
Der Hintergrund ist vermutlich, dass individualistische Kulturen stärker dazu tendieren Schamgefühle weniger expressiv zu zeigen. 
Nicht so die von Geburt an Blinden. Ihre Reaktionen waren - unabhängig von der Herkunft - durchweg ähnlich. Die Schlussfolgerung der beiden Forscher: Die Körpersprache bei Sieg und Niederlage ist angeboren und kann im Ausdruck bei sehenden Menschen durch die Herkunft variiert werden.
Deutlich wird durch diese vergleichenden Forschungsansätze auch, dass die Analyse und der Ausdruck grundsätzlicher Emotionen international vergleichbar sind. Sobald Ihre Wahrnehmung geschärft ist, können Sie vieles weltweit anwenden.

Lit.:
Jessica L. Tracy and David Matsumoto: The spontaneous expression of pride and shame: Evidence for biologically innate nonverbal displays. PNAS, 2008, Vol.105, 33, 11655-11660.

1 Kommentar:

  1. Treffer!
    http://scinexx.de/wissen-aktuell-bild-15026-2012-08-09-20202.html

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